Wochenrückblick – KW 08/2026

Liebe Leserinnen und Leser,

diese Woche stand ganz im Zeichen des politischen Austausches und der regionalen Vernetzung. Ich war viel in meinem Wahlkreis und den Betreuungswahlkreisen unterwegs und konnte dabei nicht nur Projekte zur ländlichen Entwicklung diskutieren, sondern mich mit vielen Menschen über das austauschen, was sie gerade bewegt.

Jeder Fünfte offen für autoritäre Ideen

Warum genau dieser Austausch und das lokale Engagement wichtig ist, zeigt eine aktuelle Studie des Deutschlandmonitors. Jeder Fünfte stimmt deutschlandweit autoritären Ideen zu – in Ostdeutschland sogar jeder Vierte. Das sind erschreckende Zahlen, welche seit einigen Jahren steigen. Aber genau deshalb müssen wir, die zu demokratischen Grundwerten stehen, uns engagieren oder uns zumindest gegen solche Gedanken mit Worten wehren. Schweigen wird viel zu oft von den extremistischen Kräften als Zustimmung gewertet. Aber dem ist nicht so! So erschreckend die eingängigen Zahlen auch sind: 98% der Deutschen befürworten die Demokratie und 89% lehnen eine Diktatur entschieden ab!

Trotzdem müssen wir das Problem benennen: Nur 60% der Befragten sind mit dem "Funktionieren der Demokratie" zufrieden. In Ostdeutschland sind es sogar nur 51%. Hier müssen wir ansetzen und die Erfahrungen der Menschen wieder positiv besetzen. Denn politische Teilhabe kann jeder mitgestalten. Das ist die grundlegende Idee der Demokratie. Und die simpelste Methode ist immer noch mit den Leuten zu sprechen und sie nach Möglichkeit in den Gestaltungsprozess einzubeziehen – alt genauso wie jung.

Schulbesuch Internatsschule Hadmersleben

Vor gut einem halben Jahr haben mich Schüler der Internatsschule Hadmersleben im Bundestag besucht. Dabei durfte ich mich einer Vielzahl auch sehr kritischer Fragen junger Menschen stellen und das über alle Fachbereiche hinweg. Dieser fordernde Austausch ist wichtig, braucht aber manchmal auch mehr Zeit, als wir sie in Berlin oft haben. Und deshalb kam es jetzt zur Rückrunde, dieses Mal aber in Hadmersleben. Wieder stellten mir die Schülerinnen und Schüler Fragen zu den verschiedensten Bereichen, von der Energiewirtschaft über Migration bis zu den anstehenden Landtagswahlen. Ich bedanke mich für den sehr intensiven Austausch und das Interesse der jungen Leute. Ich empfinde diese Besuche als äußerst wichtig, um sich auch ein Bild zu verschaffen, was unsere nachfolgenden Generationen beschäftigt. Gleichzeitig möchte ich junge Menschen motivieren, sich politisch zu engagieren. Denn wenn sie sich aktiv beteiligen, können sie gezielt mit ihren Ideen ihre eigene Zukunft gestalten.

Tangermünde

Danach war ich mit meinem Team für unsere halbjährlich stattfindende Büroklausur im altmärkischen Tangermünde. Für mich war es auch eine Rückkehr zu den Wurzeln: Tangermünde war Teil des ersten Wahlkreises, in dem ich für den Landtag kandidiert habe. Nach wie vor finde ich das mittelalterlich anmutende Stadtbild mit den zahlreichen Fachwerkhäusern und den Backsteinbauten beeindruckend. Nicht umsonst wurde die einstige Hansestadt und Nebenresidenz von Karl IV. 2019 zu „Deutschlands schönster Kleinstadt“ gekürt. Aber bei meinem Stadtrundgang sind uns nicht nur das gotische Rathaus, die imposante St. Stephans Kirche und die malerische Burg aufgefallen, sondern eben auch die unzähligen Hofläden. Diese authentischen und regionalen Läden haben mir so gut gefallen, dass ich mir direkt ein Brot für zuhause mitgenommen habe. Ein wunderschöner Ort, um gemeinsam das Jahr zu planen und ein tolles Beispiel für regionale Wertschöpfung im Agrarbereich!

An dieser Stelle möchte ich mich nochmal bei dem Gastgeber unserer Büroklausur, der evangelischen Kirche in Tangermünde, bedanken. Kirchen engagieren sich für die Stärkung des ländlichen Raumes und dienen als wichtiger Begegnungsort. Sie übernehmen oft Funktionen, die ansonsten in strukturschwachen Regionen fehlen würden. Und auch im sozialen Bereich ist die Kirche ein wichtiger Bestandteil der ländlichen Struktur, bspw. durch das Angebot von Kindergärtenplätzen oder von Betreuungsmöglichkeiten im Alter.

Aber bei einem solchen Besuch steht natürlich auch die bessere Vernetzung mit den hiesigen SPD-Mitgliedern im Vordergrund. Dabei konnte ich zwei beeindruckende Mitglieder des SPD-Ortsvereins kennenlernen: Christine Pfaff half direkt am 4. Januar 1990 den Ortsverein zu gründen und Ortsvorsitzende Grit Grave war ab der zweiten Sitzung dabei. Beide engagieren sich immer noch stark für die Region und den politischen Austausch. Das Abendessen haben wir aber auch genutzt, um über die aktuelle Situation vor der Landtagswahl zu sprechen. Ich danke ihnen für ihr Engagement!

Apothekenbesuch Könnern

Der ländliche Raum bietet als Lebensraum viele Vorteile. Es gibt mehr Platz, Ruhe und Erholungsmöglichkeiten als in der Stadt. Trotzdem bestehen auch Defizite, wie bei der Infrastruktur und der Versorgungslage. Immer mehr wichtige Einrichtungen schließen, sei es der Supermarkt oder der Arzt. Mit betroffen sind auch die Apotheken. Während es 2014 in Sachsen-Anhalt noch 612 Apotheken gab, waren es 2024 nur noch 556. Das sind 56 Apotheken weniger oder eine Abnahme von 9,15%. Ländliche Regionen sind besonders stark betroffen.

Im deutschlandweiten Vergleich ist Sachsen-Anhalt aber bei der Versorgungsdichte noch mit am besten aufgestellt. Ich will, dass das auch zukünftig so bleibt! Deshalb habe ich die Vitalis Apotheke in Könnern im Herzen meines Wahlkreises besucht. Apotheker Michael Gäbe erklärte mir eindrücklich, wie kleine Apotheken immer mehr durch veränderte Preisstrukturen und den Versandhandel unter Druck geraten. Aber auch wie diese am besten unterstützt werden könnten, z.B. durch ein Anheben des Packungsfixums. Das bedeutet im Klartext: Apothekerinnen und Apotheker dürften den Preis für bestimmte Medikamente variabler gestalten als es bisher möglich ist. Solche Lockerungen von starren, seit 20 Jahren nicht mehr angepassten Rahmenbedingungen verfolgen wir als Koalition und haben deshalb unter anderem die Erhöhung des Packungsfixums im Koalitionsvertrag aufgenommen.

Mehr Informationen finden Sie hier im Koalitionsvertrag

NaturGut Cörmigk

Zwischen Halle, Magdeburg und Dessau befindet sich das NaturGut Cörmigk. Alfred Drent und Vanessa Homann leiten den Projekthof zusammen. Die Beiden sind aus Halle nach Cörmigk gezogen und gestalten hier die Dorfgemeinschaft aktiv mit. Das NaturGut dient als Begegnungsort, kombiniert mit Bildungsangeboten zur sozialen Teilhabe, dem Umgang mit Nutztieren und verschiedenen Nachhaltigkeitsthemen, wie Upcycling oder Permakulturen im eigenen Garten. Diese beiden jungen Leute engagieren sich stark für den Austausch zwischen Stadt und Land und versuchen dabei alle Altersgruppen einzubeziehen. Es ist ein beispielhaftes Projekt, welches den ländlichen Raum stärkt, enger zusammenbringt und lokale Strukturen mit einbezieht. Wir benötigen mehr Menschen wie Vanessa und Alfred, die sich nicht nur in ihrer (Dorf-)Gemeinschaft einbringen, sondern ihr direktes Umfeld auch basisdemokratisch mitgestalten.

Zukunftszentrum Deutsche Einheit & Europäische Transformation

Die deutsche Wiedervereinigung bleibt ein aktuelles Thema, insbesondere bei den immer noch bestehenden Unterschieden zwischen Ost und West. In Halle soll das neue Zukunftszentrum reflektieren, wie gut die deutsche Einheit wirklich funktioniert. Das Ziel ist neue Wege für Gespräche zwischen Ost und West zu finden. Gleichzeitig soll aber auch deutlich werden, dass Ostdeutschland diverser ist, als es auf so mancher Karte dargestellt wird. Im Rahmen des Jahresempfangs des Zukunftszentrums wurde auch die Erarbeitung von Erinnerungskonzepten als wichtiger Schritt diskutiert. Noch wird das Hauptgebäude am Riebeckplatz gebaut. Deshalb nutzt das Zukunftszentrum diese Zeit als Werkstattphase. Das bedeutet es werden Formate getestet und Ideen und Inhalte entwickelt. Dabei soll alles auf den drei zentralen Säulen basieren: Begegnung, Wissenschaft und Kultur.

Denn während wir für die Antike, Renaissance, das Dritte Reich und auch für die DDR verschiedene Museen haben, sieht es für die Zeit nach der Wiedervereinigung sehr dünn aus. Dabei waren die Nachwendejahre doch für viele Ostdeutsche, mich inbegriffen, genauso prägend, wie die DDR-Zeit selbst: plötzlicher Umbruch, ein neues System und ein Verlust des Sicherheitsgefühls – aber auch neue Freiheiten und demokratische Prozesse. Ich finde es wichtig, diese Zeit und die begleitenden Prozesse zu dokumentieren. Immerhin wird der Mauerfall dieses Jahr zum 37. Mal gefeiert und bei knapp vier Jahrzehnten ist doch einiges passiert. Als Ostdeutsche und als Mitglied des Ausschusses für Kultur und Medien denke ich, dass wir auch an diese Zeit in Museen erinnern sollten. Ich glaube, dass es vielen Ostdeutschen und dem Dialog über die Deutsche Einheit helfen würde, wenn die Schicksale der Menschen in der ehemaligen DDR sichtbarer werden und die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdienen.

Berlinale Brunch

Die Woche geht für mich mit einem Höhepunkt der Kulturszene zu Ende: der Berlinale. Passend dazu wurde von meiner Fraktion der Berlinale SPD-Brunch ausgerichtet. Im Vorfeld zum Filmfestival in Berlin erreichten uns zahlreiche Meldungen von Kulturschaffenden, denn die Branche steht zunehmend unter Druck. Produktionen wandern ab und vor allem Streaminganbieter setzen auf günstigere Produktionsstandorte im Ausland, auch wenn Drehorte vermeintlich in Deutschland spielen. Unsere sozialdemokratische Idee für eine Lösung: große Streaminganbieter zu Investitionen in Deutschland zu verpflichten. Schließlich nehmen sie mit den deutschen Abonnements genug Geld ein.

Kulturstaatsminister Wolfram Weimar wollte bei diesem Problem auf Freiwilligkeit setzen. Das darauffolgende Echo der Empörung aus der Branche war laut. Als Mitglied des Ausschusses für Kultur und Medien ist es mir eine große Freude, dass wir als Koalition aber passend zur Berlinale einen Kompromiss zur Investitionspflicht in der Medienbranche gefunden haben. Produktionsfirmen und Streaminganbieter müssen nun mindestens 8% des jährlichen Nettoumsatzes in europäische Produktionen stecken. Wenn sie mehr investieren, fallen dafür einige strengere Auflagen weg und sie dürfen bspw. englischsprachig produzieren. Ein guter Kompromiss, wie ich finde. Nur so kann der Medienstandort Deutschland auch zukünftig nachhaltig bestehen. Und ich möchte den hunderten Personen, welche sich bei mir zu diesem Thema gemeldet haben, sagen: Wir als SPD hören Sie!

Wie diese Lösung in der Branche aufgefasst wird, darüber hat mein Kollege und kultur- und medienpolitische Sprecher Martin Rabanus mit dem Schauspieler Heinrich Schafmeister, Lorena Maunz als Studentische Vertretung der Hochschule für Fernsehen und Film München, dem Produzent Fabian Gasmia und Regisseur David Wendt beim Berlinale Brunch diskutiert. Die letzten beiden waren maßgeblich an dem sehr erfolgreichen, deutschen Film Sonne und Beton beteiligt. Trotz unterschiedlichen Meinungen für die Zukunft waren sich die Teilnehmer einig: Unser Kompromiss und die Investitionspflicht sind ein guter Schritt in die richtige Richtung.

Ausblick:

Am Samstag nehme ich an einer Stadtführung in Gardelegen teil. Schon jetzt sind zahlreiche Anmeldungen eingegangen. Ich freue mich sowohl auf den Austausch beim Spazieren wie auch beim anschließenden Grünkohlessen! Vielleicht sehe ich ja den ein oder anderen meiner Leserinnen und Leser?

Schnappschuss der Woche:

Mein Team und ich beim Erholen von unserem Spaziergang durch Tangermünde.